Der Weg des Schreibens

Du hast eine Idee oder besser noch eine Vision von deiner Geschichte und möchtest sie mehreren Lesern zugänglich machen? Herzlichen Glückwunsch, du begibst dich auf eine spannende und abenteuerliche Reise! Doch wie jede Reise, beginnt sie mit dem ersten Schritt: dem Schreiben.

 

Geschichten wollen erzählt werden und jeder hat sein eigenes System, um sie zu Papier zu bringen. Es gibt hier weder eine allgemeine Erfolgsformel, noch ein richtig oder falsch. Der Weg ist hier das Ziel und jeder muss seinen eigenen Weg ausprobieren. Das funktioniert ausschließlich durch Ausprobieren, Üben, Scheitern und erneut Versuchen. Perfektionismus bei der Entstehung eines Buches ist zwar förderlich, aber nicht von Anfang an die passende Technik. Unterschiedliche Autoren nutzen unterschiedliche Techniken, von denen ich grundsätzlich 2 unterscheide:

 

- aus dem Bauch heraus: man schreibt einfach drauflos und lässt die Geschichte sich einfach entwickeln.

- man entwickelt einen Plot, baut sich eine Struktur auf und schreibt dann erst die einzelnen Szenen

 

Für welche Weg man sich auch entscheidet, der Weg am Ende ist ähnlich:

 

Sobald die Geschichte fertig ist, geht es an das Feintuning; Grammatik, Satzbau und einzelne Wörter werden analysiert und korrigiert. Hier kann man sich überlegen, ob man Geld für ein Lektorat ausgeben möchte. Wenn man es professionell über die Bühne bringen möchte, macht dies durchaus Sinn. Allerdings sollte man sich dann auch den Kosten-Nutzen-Faktor vor Augen halten. Für ein einmalige Hobbyausgabe, die man an wenige Freunde verteilen möchte, macht sowas keinen Sinn, während man es bei einer klassischen Veröffentlichung für ein größeres Publikum durchaus abwägen sollte.

 

Dann geht es an die Struktur der Geschichte, die man erneut überarbeitet. Hier kann man sich einige Fragen stellen, um das Feintuning zu erleichtern:

 

- machen die Kapitel in dem Umfang und der Reihenfolge Sinn?

- ist der Spannungsbogen durchgängig interessant?

- ist die Geschichte nachvollziehbar und logisch aufgebaut?

- sind meine Charaktere authentisch dargestellt?

- bin ich selbst mit meinem Gesamtergebnis zufrieden?

 

Hier die schlechte Nachricht für alle Perfektionisten unter uns:

 

Du wirst nie zu 100% zufrieden sein und wirklich fertig wirst du auch nie werden!

Warum ist das so? Weil man immer zu Verbesserungen neigt, um noch ein wenig mehr aus der Geschichte rauszuholen, wirklich keinen Rechtschreib- oder Logikfehler haben möchte und am besten allen Leuten in der Erwartungshaltung gerecht werden möchte. Das ist völlig OK und ein sehr guter Antrieb, um gerade bei der Nachbesserung nochmal alles rauszuholen, was geht. Allerdings sind schon viele gute Geschichten in der heimischen Schublade versenkt worden, weil sie kurz vor der Finalisierung totgedacht und kaputt strukturiert wurden. Deshalb ist es besonders im Finalstadium wichtig, dass man zwar nochmal alles gibt, aber auch den Schlusspunkt setzt, wenn man damit durch ist. Gerade die finale Phase ist kräftezehrend, zermürbend und man möchte irgendwann einfach nur noch fertig damit werden. Das ist OK, solange man den Punkt abpasst, an dem man das Interesse und das Vertrauen an die eigene Geschichte nicht verliert. Für den Absprung haben mir folgende Tipps geholfen:

 

- Jedes Buch ist wie ein Foto; eine Momentaufnahme. Nicht perfekt, aber authentisch.

- In erster Linie muss mir das Buch gefallen. Wenn es weiteren Leuten gefällt, ist das ein schöner Bonus!

- Mein Buchprojekt, meine Regeln. Konventionen sind schön, aber ich probiere mich gerne aus.

 

Wenn du es dann endlich geschafft hast, gibst du das Buch zum ersten Mal in den Testdruck für dich und (falls du welche hast) für deine Testleser. Testleser sind auch eine schöne Möglichkeit, um konstruktives Feedback zu bekommen und ggfs. einen letzten Feinschliff vorzunehmen. Aber auch hier gilt den irgendwann den Schlusspunkt zu setzen.

 

Kommen wir zu meinem persönlichen Waterloo: dem Cover.

Ich habe meine Cover immer selbst gestaltet, weil ich ein absoluter Kontrollfreak bin und keinen Handschlag abgeben wollte. Dadurch habe ich viele Stunden in Photoshop versenkt und nicht minder viele mentalen Kernschmelzen hinter mir, wenn etwas nicht so geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt habe. Von technischen Pannen, bei denen viele Entwürfe für immer im digitalen Nirvana verschollen sind, wollen wir erst gar nicht sprechen. Unterm Strich macht mir die Covergestaltung sehr großen Spaß, auch wenn es eine nie enden wollende Hassliebe ist. Wenn man einen Roman schreibt und nicht gerade künstlerisch begabt ist, macht eine professionelle Covergestaltung meiner Meinung nach durchaus Sinn. Bei Ratgebern, Lyrik oder Sachbüchern würde ich es eher selbst versuchen zu gestalten, aber das ist reine Geschmackssache.

Die Veröffentlichung

Dein Buch ist fertig und wartet auf neugierige Leser? Herzlichen Glückwunsch, du hast dein größtes Ziel bereits erreicht! Nun geht es an die Veröffentlichung und die Entscheidung, welchen Weg du gehen möchtest. An einen Verlag herantreten, oder doch eher Self-Publishing? Beides ist reizvoll und hat seine Vor- und Nachteile. Im Endeffekt gibt es auch hier einige Fragen, die man sich stellen sollte:

 

- Ist das Buch ein Hobby, oder möchte ich damit Geld verdienen?

- Möchte ich mich selbst um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern?

- Habe ich die finanziellen Mittel, um es alleine zu stemmen oder mit einem Verlag zu arbeiten?

 

Auch das Genre spielt eine entscheidende Rolle: veröffentlichst du beispielsweise einen Fantasy Roman wird es schwer sein, in dem Genre Fuß zu fassen, weil es mittlerweile eine sehr große Auswahl an Büchern gibt. Entweder vertraust du einem Verlag, oder du hast sehr ungewöhnliche Ideen, um dein Buch zu vermarkten. Bei einem Verlag musst du sowohl Zeit, als auch Glück haben und hast keinen Garant, dass dein Buch erfolgreich sein wird. Beim Self-Publishing kannst du zwar alles selbst bestimmen, hast aber mit der Promo einen sehr harten Weg vor dir.

 

Schauen wir uns beide Möglichkeiten näher an:

 

1.) Der Verlag

 

Ein starker Vertriebspartner, der am besten gut vernetzt ist, wäre natürlich ein Traum. Hier solltest du darauf achten, an welchen Verlag du dich wendest, denn für jedes Genre gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Ein großer Verlag wird dich als unbekannten Autor vielleicht supporten, aber nur sehr begrenzte Mittel einräumen (falls er dich überhaupt nimmt). Besonders ein kleiner Verlag hat da mehr Ressourcen und teilweise auch mehr Herzblut, sich um eine überschaubare Anzahl von Autoren zu kümmern. Außerdem solltest du schauen, welche Buchverlage für dein Genre präsent sind. Am besten online suchen, Erfahrungsberichte anderer Autoren anschauen und auf dein Bauchgefühl hören. Ganz wichtig: du wirst viele Absagen aus unterschiedlichen Gründen bekommen; lass dich dadurch nicht entmutigen! Berühmte Autoren haben zahllose Manuskripte eingesendet und viele Absagen bekommen. Das muss nichts über die Qualität deiner Arbeit aussagen, denn du brauchst hier etwas, das du nicht beeinflussen kannst: Glück! Wenn du weiter an dein Buch glaubst, und dich für einen Verlag entschieden hast, gib nicht auf und versuche es weiter. Wenn alle Stricke reißen, kannst du immer noch zum Self-Publishing wechseln.

 

2). Self-Publishing

 

Hier hast du die absolute Kontrolle über die Kosten, Veröffentlichungszeitpunkt und Umfang. Du kannst bei namenhaften Anbietern wie beispielsweise epubli oder books on demand dein Buch entweder mit oder ohne ISBN Nummer veröffentlichen. Beides hat seinen Reiz: mit ISBN Nummer kannst du dein Buch direkt über amazon und andere Anbieter vertreiben lassen und auch bei lovelybooks eine Leserunde starten, um dein Buch neuen Lesern zugänglich zu machen. Auch hast du kein Problem mehrere Bücher vorzubestellen und Lagern zu müssen, sondern sie werden direkt vom Kunden bei Bedarf bestellt. Der große Nachteil ist, dass du auf ein bestimmtes Preissegment festgenagelt bist und in Sachen Verdienst kaum etwas rausbekommst. Ohne ISBN Nummer hast du den Vorteil, dass du den Preis selbst bestimmen kannst; wenn dein Buch in der Herstellung also beispielsweise 10 € kostet und du es auch für diesen Preis verkaufen möchtest (also ohne Gewinn als reines Hobby), ist das kein Problem. Mit ISBN funktioniert das nicht, weil das Preisdumping und strafbar wäre. Ohne ISBN bestellst du deine Bücher, lagerst sie selbst und verkaufst sie zu deinen Konditionen. Nachteil hier ist, dass sie nicht bei amazon oder anderen Anbietern gelistet sind und du bei lovelybooks keine Leserunde einläuten kannst.

 

Letzten Endes gibt es kein richtig oder falsch; jeder Autor muss für sich selbst entscheiden, welcher Weg einem persönlich zusagt.

 

Bei mir persönlich war die Entscheidung einfach: ich schreibe über ein Nischenthema (Lyrik), lege großen Wert auf freie Gestaltung (inklusive Fotos) und betreibe es als reines Hobby neben meinem Job, ohne Ambitionen auf finanzielle Absicherung. Wer ein gängiges Thema (z.B. Fantasyroman) bearbeitet, kein Interesse an Promoarbeit hat und über die finanziellen Mittel verfügt, wäre eventuell bei einem Verlag besser aufgehoben.

 

Grundsätzlich gibt es auch die Möglichkeit, sein Buch als Print oder ebook zu veröffentlichen. Das sei hier nur erwähnt, da ich keinerlei Erfahrungen mit ebooks habe, weil es sich bei meinen grafischen Gestaltungen schlichtweg nicht gelohnt hat.

Die Promo

Buch ist fertig und veröffentlicht, was also nun? Wenn du dich für einen Verlag entschieden hast, wird dir hier einiges abgenommen werden. Als Self-Publisher musst du dich um alles selbst kümmern. Was sollte man also für eine gute Promo alles machen? Ich habe mal eine Liste mit Möglichkeiten zusammengestellt:

 

- eigene Homepage (quasi die Visitenkarte eines Autors, inkl. Leseproben)

- Leserunde bei lovelybooks (bin ich großer Fan, aufgrund von konstruktivem Feedback)

- Autorenaccount bei Instagram/Facebook

- Buchtrailer

- Anfrage an ortsansässiger Zeitung für einen Artikel

- Anfrage an lokalem Buchladen, ob Interesse an einer Zusammenarbeit besteht

- Kontakt & Austausch mit anderen Autoren in sozialen Netzwerken

- Lesungen (digital kann man machen, live ist aber magischer & schöner)

 

Bei der Promo finde ich gerade den Zusammenhalt der Autoren untereinander besonders bereichernd und spannend zugleich. Hier sollte kein Konkurrenzkampf stattfinden, denn wir sitzen alle im gleichen Boot, um neue Leser zu gewinnen. Ich denke, dass jedes Buch einzigartig ist und auf seine Weise seine Daseinsberechtigung hat und deshalb ist es wert, dass sich Autoren untereinander unterstützen (siehe auch mein Abschnitt Vorstellung der Autoren). Auch die Mund zu Mund Propaganda unter den Lesern finde ich die beste Variante, ein Buch bekannter zu machen.

Fazit

Es gibt keinen einheitlichen Weg und das ist auch gut so. Jedes Buch, jeder Autor hat seine eigene Methode, um seine Geschichte zu erzählen und sie neugierigen Augen zugänglich zu machen. Egal, ob mit einem großen Verlag als Rückendeckung, oder als Promojunkie im Rahmen des Self-Publishings, alles hat seinen Reiz. Ich hoffe, dass ich dir einen kleinen Einblick in die Möglichkeiten deiner Buchveröffentlichung geben konnte. Es gibt bestimmt mehr, detaillierte Ratgeber, aber mein Ziel war es, dir die Möglichkeiten kurz und präzise zusammen zu fassen. Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg zu deiner Buchgeschichte und viele nette Autoren und Leser, die dich auf deinen Weg begleiten!