Resonance: A Plague Tale - Tomb Raider im antiken Griechenland
Was macht ein gutes Spiel aus, dass es seinen Platz im Langzeitgedächtnis verdient hat? Dieser Frage gehen wir heute mit dem aktuellen Teil der „A Plague Tale“ Reihe auf den Grund.

Manche motivieren durch ihre Spielmechanik und lassen unseren Charakter durch Handlungen weiterentwickeln. Wieder andere stellen Entscheidungen in den Mittelpunkt, die den Verlauf einer Geschichte individuell beeinflussen. Wieder andere setzen auf exzellente Grafikpracht, dichte Atmosphäre und einen intensiven Soundtrack. Im Idealfall hat ein gutes Spiel viele unterschiedliche Facetten und setzt auf einen von oben genannten Eigenschaften seinen Schwerpunkt.
„A Plague Tale: Resonance“ hat bereits Vorschusslorbeeren aufgrund der vorangegangenen Teile. Wurde damals in erster Linie auf Schleichmechanik gesetzt (überhaupt nicht meins), so bestachen sie doch mit ihrer Inszenierung, Geschichte und Charaktere, die einem schnell ans Herz gewachsen sind. Ähnlich wie in einem guten Buch oder Film, fühlt, leidet und stirbt man mit seinen Lieblingsfiguren und genau darin liegt die Stärke von diesem Spiel. Aber erst der Reihe nach.

Im Prequel der Story der „A Plague Tale“-Reihe reist man als Sophia zur Insel des Minotaurus. Man bekämpft Gegner, enthüllt Geheimnisse und tritt einer mythischen Kreatur im Zentrum der Quelle eines verheerenden Fluchs entgegen. Ja, richtig gelesen, man kämpft dieses Mal wirklich und das funktioniert sogar sehr gut. Im Grunde setzt die Spielmechanik aus einem ausgewogenen Mix aus Kampf, Rätsel, Verstecken und Jump´n Run Elementen. Gerade der situative Einsatz der Spielmechanik wurde hier optimal auf die Geschichte abgestimmt, so dass es nicht zu einer reinen Beschäftigungstherapie verkommt. Man bekämpft feindliche Soldaten, rätselt sich durch mystische Räume und erkundet unbekannte Tiefen und Fallen. Gelegentlich wird dies von einem Adrenalinkick in Form einer Jump´n Run Passage durchbrochen, die den Spannungsbogen an genau den richtigen Stellen aufrecht erhält.

Die größte Trumpfkarte wird direkt zu Beginn ausgespielt, denn man nimmt sich Zeit den Charakter von Sophia und ihren engen Freunden vorzustellen. Gut geschriebene Dialoge, sehr gut inszenierte Körpersprachen und die Synchronsprecher sorgen schnell dafür, dass man sie ins Herz schließt und mit ihnen mitfühlt. Emotionen sind im laufe der Geschichte immer präsent und erreichen besonders am Ende einen Höhepunkt, der mich mit einem dicken Kloß im hals vor dem Bildschirm zurückließ. Die Atmosphäre, der Soundtrack und die Grafik spielen dem Erlebnis dabei sehr gut in die Karten und die ohnehin interessante Mythologie über den Minotaurus wird hier in einem ganz anderen Licht erzählt.

A apropos Atmosphäre: wer auch nur ansatzweise etwas für Tomb Raider, Indiana Jones und den vorangegangenen „A Plague Tale“ Geschichten übrig hat, kann direkt aufhören zu Lesen und sollte sich das Spiel sofort zulegen. Auch leichte Vergleiche zu „Assassin´s Creed: Odyssey“ sind hier gerechtfertigt, obwohl die Level hier schlauchförmig verlaufen und nichts mit der Open World zu tun haben. Dennoch haben die Entwickler hier ein sehr feines Gespür für Drama, Abenteuer und vor allem Atmosphäre. Besonders die Spannungskurve fesselt hier stundenlang vorm Bildschirm, denn man möchte nur noch diesen einen Raum erkunden, diesen einen Boss erlegen oder nur noch diesen entscheidenden Fortschritt der Geschichte erfahren, der bereits um die nächsten Ecke lauert. Mein Abenteuer war nach 13 Stunden vorbei und obwohl die Charaktere geschrieben und die Personen programmiert waren, so sind die Emotionen, die es in mir ausgelöst haben, echt.

Fazit: Die Vorgänger bestachen bereits durch Atmosphäre, charismatische Figuren und actionreiche Passagen. Dies hat man hier fortgeführt, durch ein gutes Kampfsystem erweitert und in Sachen Atmosphäre sogar noch ausgebaut. Besonders die emotionale Geschichte fesselt und lässt mitfiebern, während man nach dem Abspann noch einiges zu verarbeiten hat. Spannend, an den richtigen Stellen die optimale Spielmechanik eingesetzt und herzergreifend; so kann man dieses Spielerlebnis definitiv beschreiben, das definitiv seinen Platz im Langzeitgedächtnis unter den guten Spielen verdient hat.
Den Abschluss des Abenteuers gibt es auf meinem YouTube Kanal