Kleine Biene, großes Kino
Kann man ein Spiel nach 34 Jahren nochmal neu auflegen und gleichzeitig neu erleben? Manchmal braucht es einfach ein gutes Remake, um zu beweisen, warum manche Spiele Kult(ur) sind. Also Stachel gewetzt und los geht´s mit APIDYA SPECIAL.
Der Amiga gehört zu den Grundfesten einer untergegangenen (Spiele-) Kultur, die dank dem Herzblut vieler Entwickler mit Remakes einen zweiten Frühling erlebt. Generell kommen viele ältere Kultfiguren zurück und zelebrieren das unkomplizierte Jugendgefühl, als man einzelne Dinge anders wertschätzte. Ich weiß, der alte Mann schwärmt von seiner Jugend, aber es wird schon seinen Grund haben, warum die Retrofabrik die komplette „Masters of the Universe“ Reihe neu aufgelegt hat und Spielentwickler alte Schätze nochmal neu auflegen. Der Charme von damals ist simpel erklärt: es gab nicht so eine große Auswahl an Spielen wie heute und die Fronten waren klar definiert; Gut gegen Böse, He-Man gegen Skeletor, Jedi Ritter gegen das Imperium. Man wusste sofort, woran man war, identifiziert sich mit den Figuren und fieberte entsprechend mit. Deshalb erfahren neu aufgelegte Klassiker nicht nur ein grafisches Upgrade, sondern zusätzlich einige Bonusfunktionen, Hintergrundinfos und physische Sammlereditionen (auch wichtig für die ältere Generation). Die wichtigste Zutat für ein gelungenes Remake ist und bleibt jedoch das Herzblut, mit dem man die gealterte Fanbase glücklich und neue Fans neugierig macht.
Nachdem wir bereits mit der Turrican Anthologie und R-Type Remake beglückt wurden, kommt jetzt APIDYA auf den Tisch. Hier die Kurzfassung: Chris Hülsbeck Soundtrack, bockschweres Gameplay (im Menü zum Glück anpassbar) und einzigartiges Gegner- und Leveldesign, in dem man sich als ballernde Biene nach Herzenslust austoben kann! Kling verrückt? Ist es auch und macht einfach unfassbar Spaß.


Die Geschichte ist schnell erzählt; der böse Schwarzmagier Hexaae befiehlt seinen mutierten Killerbienen einen Anschlag auf das Paar Yuri und Ikuuro. Dabei wird Yuri vom tödlichen Insektengift infiziert und es ist an Ikuuro, sich als Biene der tödlichen Armee des Schwarzmagier zu stellen, um ein Gegengift zu bekommen. Simpel und unkompliziert, die Ballerei braucht halt einen guten Grund, sich den Gefahren zu stellen. Bereits in den ersten Sekunden fällt das außergewöhnliche Leveldesign auf, was die absolute Trumpfkarte des gesamten Spieles ist. Man fliegt durch hohe Gräser, weicht Insekten aus und muss sich gegen Spinnen, Würmern und Schmetterlinge verteidigen. Ja sogar große Herbstblätter, die vom Himmel fallen, können zur tödlichen Gefahr werden, ehe man sich Bossgegnern wie einem Maulwurf oder einer Riesenheuschrecke stellen muss.

Die Entwickler sind selbst große Fans von 2-D Sidescroller Ballereien und das spürt man mit jeder Sekunde des Spiels. Neben zahlreichen Upgrades (zusätzliche Bomben, Minidrohnen und Schutzschild) kann man den Gegnern mit Dauerfeuer und einem Riesenstachel einheizen. Das Leveldesign ist unfassbar vielfältig und strotzt vor Ideen. So fliegt man beispielsweise durch einen Abwasserkanal und bekämpft Insekten, die aus Coladosen ausschwärmen, während man dem Rauch einer weggeworfenen Zigarettenpackung ausweichen muss. Besonders cool: fliegt man versehentlich in einen giftigen Nebel, der aus einer Flasche steigt, dreht sich der komplette Bildschirm auf den Kopf und man muss schnell umdenken und weiterschießen. Im späteren Verlauf gibt es einen Kniefall vor R-Type, bei dem man als Roboterbiene alles plattmachen muss. Die Gegner sind vielfältig und einzigartig designt. Egal ob eine weggeworfene Puppe, eine Riesenfledermaus oder ein Zinnsoldat im Papierschiffchen; hier ist für eine kleine Biene alles eine tödliche Bedrohung.
So schön das alles ist, so schwer ist es mir damals auch gefallen, die Level zu Überleben. Das wissen auch die Entwickler und haben vorgesorgt. Man kann im Menü die Anzahl der Leben und Continues einstellen und auch die Upgrades nach dem Bildschirmtod behalten. Auch das Umschalten zwischen moderner Grafik und Klassiker hat seinen eigenen Charme. Untermalt wird das Gesamtpaket von Soundmagier Chris Hülsbeck, der bis heute mit solchen Großtaten weiterhin aktiv ist (Glückwunsch übrigens zum 40. Jubiläum auf der diesjährigen Gamescom!).Wer sich also ein Remake dieses Klassikers gewünscht hat, wird hier sehr gut bedient.

Fazit: Eine vergangene Spielepoche erlebt durch seinen Retrocharme seinen zweiten Frühling. Mit dem Herzblut, das die Entwickler in APIDYA investiert haben, bekommt man nicht nur eine klassische Ballerorgie, sondern definitiv einen einzigartigen Vertreter dieses Genres auf den Bildschirm serviert. Einzigartiges Level- und Gegnerdesign, zugänglicheres Gameplay und Chris Hülsbeck Soundtrack, mehr braucht es nicht, um an diesem Klassiker seinen Spaß zu haben.
Übrigens: weitere Infos gibt es beim Interview mit den Entwicklern.