Bob- eine Legende mit zwei Hörnern

Dies ist die Geschichte von Bob, der Legende mit zwei Hörnern. 

 

Bob war unser Bandmaskottchen und durfte auf keinem Festival fehlen. Ursprünglich beim Mailorder von Nuclear Blast aus einer reinen Bierlaune heraus bestellt, zierte sein Antlitz lange Zeit die Wand in meiner Wohnung. Irgendwann schien es ihm langweilig zu sein, denn man gewöhnte sich an seinen Anblick und ich spürte, dass er zu Höherem berufen ist. Ich weiß leider nicht mehr, wie ich auf den namen "Bob" gekommen bin, aber es passte schlicht und ergreifend. Während andere Drachen "Eragon" oder "Smaug" ganze Geschichten mit sich tragen und die Welt in Ehrfurcht erstarren lassen, so ist unser Bob schlichtweg der Inbegriff der Coolness. Doch er musste sich seine Sporen erst verdienen und so war er ursprünglich als Gast bei unseren Bandproben dabei. 

 

Es war OK für ihn, aber schon bald machte sich sein jugendliche Temperament bemerkbar und er lechzte nach mehr. Was kann man einem Drachenschädel mehr bieten, als eine warem Unterkunft und laute Musik? Für einen Moment dachten wir über schwarze messen oder eine Opfergabe nach, aber das erschien uns etwas zu viel und vor allem, was für ein Opfer wäre angemessen für Bob? Eine Zeige, eine Jungfrau, oder doch ein dreckiges Duplo vom unterm Sofakissen? Lange Zeit waren wir ratlos, bis wir uns eines Tages für unsere Stammfestivals (Rock Hard und Party San) verabredeten.

 

Ich weiß nicht mehr, wie wir auf die glorreiche Idee gekommen sind, aber irgendwie erschien es uns sinnvoll, Bob einfach mit aufs Festival zu nehmen. Sein erstes Party San genoß er in vollen Zügen; als Briefbeschwerer auf unserem  Ghettoblaster genoß er stets die Aufmerksamkeit unserer Zeltnachbarn und er durfte bei keiner Bier- und Grillsession fehlen. Für die Konzerte schlossen wir ihn im Auto ein, was auch 2 Festivals gut ging. Irgendwann dürstete es ihn jedoch nach Privatsphäre und so rüsteten wir im Laufe der Jahre auch Bobs Equipment auf. Ich besorgte ihm ein Katzenzelt, das wird direkt vor unseren Zelten aufbauten. Am EIngang war eine riesiege Fußmatte (größer als Bobs Zelt selbst) auf der in riesigen Buchstaben "ANKLOPFEN HINKIEN UND UM AUDIENZ BETTELN!" geschrieben stand. Daneben stellten wir einen 0,5 Liter Becher des Festivals hin und schrieben "Opfergaben" drauf. Von da an war Bob nicht mehr zu bremsen. Keine Ahnung, ob er geschlechtsreif wurde oder einfach nur Glück hatte, aber sein Becher war immer voll mit Kleingeld, Telefonnummern (meistens von Männern, zweimal von Frauen, einmal von einem verdutzten Pizzaservice und 12 mal von "Diese Rufnummer ist nicht vergeben"). 

 

Auch die Frauen mochten Bob, denn es ging keine vorbei, die nicht "Oooh, schau mal den Drachen in dem süßen Zelt!" gerufen hat. Einmal kamen 2 besoffene Typen vorbei und fragten uns, warum wir denn einen Drachenschädel vor ein Katzenzelt packen würden. Unsere Antwort lautete: " Das ist Bob, der Unglaubliche. Huldigt ihm, Unwürdige oder zerfallt zu Staub!" Diese Situation hatten wir auf unterschiedlichen Festivals mit sehr unterschiedlichen Reaktionen. Einmal warfen sich Leute wirklich und wahrhaftig vor Bob in den Staub und riefen (in bester Wayne´s World Manier) "Wir sind unwürdig!". Andere rollten mit den Augen und gingen weiter, wieder andere meinten, das Bob die coolste Sau auf Erden wäre und andere setzten sich zu uns und Grillten einfach mit. Bob war ein Magnet für alle Festivalbesucher und obwohl er nicht viel sprach (wie denn auch, ohne Stimmbänder?) war schütteten einige Leute ihr Herz bei ihm aus und bedankten sich, weil er ein so guter Zuhörer war. 

 

Die Jahre vergingen, wir wurden älter und die Festivals leider immer seltener. Mittlerweile genießt Bob sein häusliches Leben und hört bei einem guten Schluck Bier oder Wein (selnten auch Schnaps) einige gute Platten oder schaut mir beim Zocken über die Schulter. Zum Glück hat er mit dem Rauchen aufgehört, aber das war eh nur eine Phase bei ihm. Er ist zwar nicht mehr unterwegs, aber jeder, der ihn bei mir zuhause sieht, fängt er in Sekundenschnelle mit seinem Charisma ein. Wir können viel von Bob lernen: wenn man cool aussieht muss man nicht große Worte verlieren sondern kann einfaach mal die Fresse halten und gleichzeitig attraktiv sein :) 

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